Drei Tage als Gäste in Abrahams Zelt

Der Imam schaute auf seinen Kompass und korrigierte die Lage seines Gebetsteppichs nach. Richtung Mekka, exakt. Endlich konnte sein Gebet beginnen, äußerlich und innerlich ausgerichtet. An diesem Wochenende kamen Muslime, Juden und Christen in Breklum zusammen: „Zu Gast in Abrahams Zelt“. Gläubige derjenigen drei Religionen, die sich auf Abraham berufen, zeigten einander, was sie an ihrem Glauben lieben. Klappten sozusagen ihre Schatzkästchen auf. Erlebten, wie sie miteinander beten, singen, feiern.
Sie waren dann also bei der Freitagspredigt zu Gast. Die Räume im Christian Jensen Kolleg sind natürlich nicht auf Mekka hin ausgerichtet, aber mit Hilfe eines Kompasses funktionierte ein Meditationsraum prima zum Freitagsgebet. Spannend.
Der Rabbiner eröffnete den Schabbat, feierlich, mit Liedern, Kerzen, ungesäuertem Brot, mit Salz und Wein. Zeremonielle Kunst, eine echte Freude, das mitzuerleben. Im evangelischen Gottesdienst morgen haben die Christinnen und Christen mehrstimmig gesungen, das Abendmahl geteilt. Dann schauten die muslimischen und jüdischen Gäste zu und erlebten mit, was den Christen wertvoll und heilig ist.

Mein Resümee? Wir mischen nichts durcheinander. Wir besuchen uns respektvoll in unseren heiligen Tagen, fragen neugierig und freuen uns am Reichtum der anderen. Und an den eigenen Schätzen, manchmal ist das die eigentliche Entdeckung.
In den bewegten Zeiten, die wir erleben, sind solche Begegnungen wertvoll. Wir wissen zu wenig voneinander. Unwissenheit schafft Raum für Vorurteile und wirres Zeug. Viele wissen zu wenig von den eigenen Wurzeln. Verunsicherte neigen zum Muskelspiel. Vor allem aber rührt mich an, wenn ich erlebe, wie bewegt meine muslimischen und jüdischen Freunde beten. Eine Ahnung überkommt mich: Ob wir vielleicht aus derselben Quelle trinken? Zumindest aber treffen sich Friedensfreunde. Die Religion, mancherorts Teil der Probleme, ist hier Teil der Lösung.

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