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Das Wagnis, das die Geschichte von uns fordert ‘Echte Verantwortung gibt es nur, wo es wirkliches Antworten gibt.
- Interreligiöser Dialog als Antwort auf den 11. September 2001

Gastbeitrag von Friedemann Magaard, Leiter des ökumenischen Bildungs- und Tagungszentrums Christian Jensen Kolleg in Breklum, einem Ort für interreligiöse Begegnungen.
Shz-Verlag 10. September 2011

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Material zum "Was ist wirklich gut in Afghanistan", Demokratie-Kolleg in Breklum vom 28.09.2011: der Eingangsimpuls der Vorbereitungsgruppe sowie Thesen von Knuth Peters und Dr. Marianne Subklew.

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Demokratie und Ökonomie - Nächstes Demokratie-Kolleg

Das „Demokratie-Kolleg“ am 07. Februar 2012 wird aus organisatorischen Gründen leider verschoben!

Mit dem „Demokratie-Kolleg“ geht es im Februar 2012 weiter. Am Dienstag, 07.02., findet ein Tagesworkshop zum Verhältnis von Demokratie und Ökonomie statt.

Christian FelberMuss die Gesellschaft ökonomischer denken und neoliberale Realität akzeptieren oder brauchen wir mehr Demokratie in der Wirtschaft. Und wie sähe eine andere, eine demokratisierte Ökonomie aus, möglichst konkret?

Christian Felber, österreichischer Publizist und attac-Unterstützer, entwickelt streitbare Beispiele. Sein Grundansatz einer „Gemeinwohl-Ökonomie“ setzt zwar auf private Unternehmen und individuelle Initiative, unterstützt aber nicht Konkurrenz-Modelle, sondern Kooperationen mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls.

Dass zunehmend grundlegende ökonomische Entscheidung ohne demokratische Beteiligung gefällt werden, beunruhigt eine wachsende Gruppe von Bürgerinnen und Bürger. Damit die Kluft zwischen Wirtschaft, Politik und Bevölkerung nicht größer, sondern kleiner wird, dafür braucht es neue Modelle. In einem Workshop (13.30-18 Uhr) entwickeln Experten, unter ihnen, Felber, Ansätze neuer demokratischer Ökonomie. Am Abend diskutieren Landespolitiker die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Verhältnisse in Schleswig-Holstein in einem Podiumsgespräch (ab 19 Uhr), unter ihnen die Fraktionsvorsitzenden Johannes Callsen (CDU) und Dr. Ralf Stegner (SPD) und der wirtschaftspolitische Sprecher von Bündnis 90/Grüne, Dr. Andreas Tietze.

Anmeldungen zum Workshop unter info@christianjensenkolleg.de


„Wer vertritt die Hungernden?“

Vor fast drei Jahren diskutierten in Breklum vier Politiker mit Bischof Ulrich über die Welternährung als Kandidaten für den Bundestag. Nun, nach halber Wahlperiode, traf sich dasselbe Podium im Christian Jensen Kolleg wieder. Im Demokratie-Kolleg von Nordelbischem Missionszentrum, Evangelischem Regionalzentrum Westküste und Christian Jensen Kolleg wurde nachgefragt: wo sind die Politiker dem Thema weiter begegnet?

Ingrid Nestle von Bündnis90/Grüne bekannte: „in dieser Klarheit und Deutlichkeit wie im Demokratie-Kolleg kommt das Thema Hunger in Berlin nicht zur Sprache, aber immer wieder am Rande.“ Der CDU-Politiker Ingbert Liebing, wie Ingrid Nestle Mitglied des Bundestages, berichtet von den Zielkonflikten, etwa wenn es um die Beimischung von Agrotreibstoffen aus Klimaschutzgründen geht. Liebing drängt auf Lösung der globalen Krisen auch aus lokalen Gründen: „Wie müssen aus politischen Gründen ein Interesse daran haben, dass die Menschen nicht erst zu Klimaflüchtlingen werden.“

Hanno Fecke (SPD) wurde nicht in den Bundestag gewählt, ihm begegnetet das Hunger-Thema auf der Husumer Windmesse „New Energy“, bei der ein Gast von der UNO den Zusammenhang von Energie- und Wassergewinnung erläuterte. Der FDP-Politiker Ulrich Schmück, auch er wurde nicht Berufspolitiker, berichtet von einer „Taste the Waste“-Veranstaltung im Dithmarscher Kreistag und fragte, wie das unmäßige Wegwerfen von Lebensmitteln verhindert werden könnte.

Als Experte stellte sich Dr. Stephan Albrecht, Privatdozent an der Uni Hamburg, zur Verfügung und beantwortete Fragen der Politiker, die darüber erstaunt waren, nicht selbst Befragte, sondern Fragen sein zu können. Als kirchlicher Vertreter sprach Propst Jürgen Jessen-Thiesen für den terminlich verhinderten Bischof Ulrich die notwendige Lobby-Arbeit der NGOs an: „Wer vertritt eigentlich die Interessen der Menschen, die Hunger haben?“ und warb angesichts verschiedener eigener Reisen nach Tansania eindringlich für kleinbäuerliche Landwirtschaft als Lösung des Hunger-Problems.

In der zweiten Hälfte des Abends erschlossen sich die rund 40 Teilnehmenden in Gruppengesprächen verschiedene Aspekte des Themas. Anhand der Inkota-Ausstellung „abgeerntet“ vertieften sich die Besucher in die Probleme von Gentechnik und Agrotreibstoff, von Land-Grabbing und der Zukunft der Landwirtschaft. Abschließend trugen alle, Podiumsgäste und Teilnehmende, zusammen, was jede einzelne selbst tun könne. Etliche thematisierten das eigene Konsumverhalten und drängten auf regionale, saisonale und ökofaire Ernährung in maßvollem Rahmen. Politische Einflussnahme wurde von Teilnehmenden eingefordert, die Politikerin Nestle gab den Impuls zurück: die Bürger sollten offensiv ihre Stimme erheben und deutlich machen, was sie von der Politik erwarten. Schließlich zeigte sich, dass das Thema „Hunger“ ein Bildungsthema ist: die Menschen in den armen Ländern müssten sich genauso Wissen über Nahrungsmittel und über politische Kontexte aneignen können wie die der reichen Länder. Damit der Skandal des weltweiten Hungern bekämpft werden kann.


Frauen und Männer –
interreligiöse Begegnung „in Abrahams Zelt“

Das Verhältnis von Frauen und Männern beschäftigt die muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinden zu Beginn des 21 Jahrhunderts. Dies ist Thema der interreligiösen Begegnung vom 02.-05. Februar im Christian Jensen Kolleg Breklum. Auf der Grundlage der heiligen Schriften berichten die Fachleute Imam Dr. Ali-Özgör Özdil, Rabbiner Yuriy Kadnikov und Pröpstin Carmen Rahlff. Neben der Schrift-Theorie wird auch die Praxis diskutiert. Dass mehrere Generationen an der Tagung teilnehmen, macht die Arbeit besonders interessant.

Die Tagung „Zu Gast in Abrahams Zelt“ hat erstmals im Januar 2011 Teilnehmende aus den drei abrahamitischen Religionen zusammengeführt. Sie wird gemeinsam vom NMZ (Andreas Schulz-Schönfeld), der Jerusalem-Akademie (Dr. Hans-Christoph Goßmann) und dem CJK (Friedemann Magaard) geleitet.

Anmeldungen unter info@christianjensenkolleg.de


Amerika-Forschung und die Zukunftsfähigkeit des Luthertums

Helmut-Edelmann50 Jahre lang wurden in Breklum Pastoren für Nordamerika ausgebildet (1877/82-1931). Dies war Teil der Arbeit der Breklumer Mission (heute: Nordelbisches Missionszentrum), der bisher wenig bekannt ist. Im Auftrag der Nordelbischen Kirche forscht Dr. Helmut Edelmann aus Husum über diese wichtige kirchengeschichtliche Verbindung nach Nordamerika und führt den Dialog mit nordamerikanischen Lutheranern. Die Fragen an Dr. Edelmann stellt Friedemann Magaard.

Frage: Woran arbeiten Sie in Ihrem Forschungsprojekt genau?

Konkret geht es mir darum, unterschiedliche Lebensbilder der etwa 220 Predigtamtskandidaten im Theologischen Amerikaseminar in Breklum aufzubereiten. Damit verbindet sich ein bilateraler innerlutherischer Dialog im Gespräch mit den nordamerikanischen Partnern unter der Fragestellung „Hat Luther uns erreicht?“. Es geht also auch um die Zukunftsfähigkeit des Luthertums weltweit.

Frage: Welche Ergebnisse haben Sie bislang am meisten überrascht?

Da ist die aktenkundig gewordene theologische Kompetenz der Breklumer, „Zöglinge“, wie sie genannt wurden. Zugleich die Ignoranz der zeitgenössischen kirchenleitenden und staatlichen Stellen. Überraschend ist für mich, wie dürftig die Auswanderung von mehr als 7 Millionen Menschen, darunter mehrere Hunderttausend Schleswig-Holsteiner und Hamburger, aufgearbeitet ist. Das war eine gesellschaftliche Revolution, mit äußerst spärlicher kirchenarchivarischer Quellenlage.

Frage: Auf welche Quellen greifen Sie zurück?

Wir haben drei Ressourcen im Blick. Da ist zunächst das begrenzte Archiv unserer Kirche, dann die Archive in den USA und in Kanada, schließlich die Unterlagen der Herkunftsfamilien. Mit diesen Familien aus unserer Region suchen wir Kontakt in der „Neuen Breklumer Geschichtswerkstatt“. Zur Tagung Ende Januar sind alle Interessierten, auch gerade Nachfahren der Ausgewanderten, herzlich eingeladen!

Frage: Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Wer Material beitragen kann oder einfach mitarbeiten will bei der Aufarbeitung der Quellen mag sich an die Arbeitsstelle „Amerikaforschung“ an der Theologischen Fakultät der Uni Kiel, Frau Kinga Zeller, oder an mich direkt wenden.

Frage: Sie haben Neues über Christian Jensen erfahren. Ist er durch Ihre die Forschungsarbeit Ihnen persönlich näher gekommen?

Zunächst fällt auf, dass eine ganze Traditionsgeschichte fast ausschließlich den Meister ehrt, eine Fülle von devoten Laudatii folgen dem Muster des Unnahbar-Tüchtigen. Die von mir verantwortete wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Christian Jensen und seiner Theologie versucht eine Erschließung im Horizont der allgemeinen Kirchengeschichte. Das geht nicht ohne den Prozess kritisch-konstruktiver Aneignung des so „Einmaligen“.

Frage: Was trägt die historische Beschäftigung mit Breklum und mit Christian Jensen für die Gegenwart und die Zukunft aus?

Diese Arbeit schließt eine kirchen- und landesgeschichtliche Lücke und eröffnet einen neuen Dialog mit Amerika; ja, sie „zoomt“ unsere Brüder und Schwestern drüben förmlich heran und stellt uns selbst in ein neues Licht. Ferner durchleuchtet sie pietistische Motive für die uns alle angehende Diskussion um ein missionarisches Profil unserer Kirche.

Frage: Was erfahren Menschen, die an dem Seminar im Januar teilnehmen?

Sie werden eingebunden in die Suche von 46 Herkunftsfamilien allein aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Ferner ergibt sich ein Landschafts- und Geschichtsgemälde von Nordamerika. Und es geht letztendlich um eine wichtige Epoche unserer eigenen Geschichte.


Am 27.-28. Januar findet das Seminar „Getrieben und gelockt“, veranstaltet von Nordelbischem Missionszentrum, Christian Albrechts Universität Kiel und dem Christian Jensen Kolleg in Breklum statt. Kontakt: Dr. Helmut Edelmann, Herzogin-Auguste-Str. 20, 25813 Husum; Anmeldung: 04671-91120 oder info@christianjensenkolleg.de


„book-crossing in breklum“

18 Regale bilden das Motto: „Im Anfang war das Wort“.
18 Regale bilden das Motto: „Im Anfang war das Wort“.

Ein bundesweites Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland streckt seine Fühler bis ins nordfriesische Breklum: Im Martineum des Christian Jensen Kollegs (CJK) steht seit Kurzem ein großes, mit Büchern gefülltes „A“ - einer der 18 Buchstaben, die über die Republik verteilt den ersten Satz des Johannesevangeliums bilden „Am Anfang war das Wort. Breklum wurde für diese Aktion im Rahmen des weltweiten „book-crossings“ ausgewählt. Die Idee ist, dass die ausgestellten Bücher mit nach Hause genommen werden und von dort auf die Reise gehen.

Beim Book- Crossing geht es darum, Bücher weiterzugeben oder selbst fremde Bücher zu finden. Jeder kann sich an der kostenfreien Aktion beteiligen, um neue Menschen kennenzulernen und sich über Literatur auszutauschen. Für die Aktion wird auf der Website www.bookcrossing.com jedes Buch registriert erhält eine individuelle Nummer. Wird das Buch gefunden, gibt der Finder die Identifikationsnummer auf der Website ein und kann Informationen zum Buch lesen und einstellen. Hier erfährt er, wer das Buch vorher gelesen hat und was andere Finder von dem Buch halten. Außerdem kann er mitteilen, wo er das Buch wieder „freilassen“ wird, entweder „wild“ - etwa auf einer Parkbank oder in einem Café – oder an einem der Standorte der Idee.

Das Projekt findet im Rahmen des Reformations-Jubiläums 2017 statt und ist eine von vielen Aktionen, die auf das Wirken Martin Luther hinweisen. „Die Buchtausch-Aktion der EKD imitiert die Verbreitung von Büchern und damit von Gedanken über Regionen und Länder hinweg, wie sie zu Zeiten Luthers – wesentlich befördert durch den von Johannes Gutenberg entwickelten Buchdruck - ihren Anfang nahm“, erklärt Friedemann Magaard, Leiter des CJK.. Gothart Magaard, Bischofsbevollmächtigter im Sprengel Schleswig und Holstein, unterstützt die Aktion ebenfalls: „Das Anliegen Martin Luthers, Bildung einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen, wird hier auf innovative Weise in die Gegenwart übertragen. Zugleich mahnt diese Idee uns, dieses Ziel auch heute nicht aus den Augen zu verlieren.“ Der Zugang zu Bildung für möglichst Viele müsse leider immer wieder neu erkämpft werden und sei in großen Teilen der Welt noch immer uneingelöst. „Bücher sind für mich daher eine besonders wichtige Quelle des Lernens", sagte der Bischofsbevollmächtigte, „denn Bücher weisen immer über das hinaus, was zwischen zwei Buchdeckel passt.“

Weitere Standorte der Aktion sind zum Beispiel die Wartburg in Eisenach, das Spener-Haus in Frankfurt, die Heiliggeistkirche in Heidelberg und das Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Vor Ort organisieren das CJK und das Evangelische Regionalzentrum Westküste (ERW) den einzigen Standort des "book-crossing" der Nordelbischen Kirche in Breklum. Der kommissarische ERW-Leiter Christoph von Stritzky freut sich über das innovative Konezpt. „Das gute alte Buch und die moderne Elektronik passen dabei gut zusammen“, sagte er. CJK-Leiter Friedemann Magaard hofft, dass viele Breklumer Gäste sich an der großen „Buch-Reise“ beteiligen. „Das Nordfriesische Breklum hat ja bundesweite und internationale Beziehungen“, so der Theologe.

Info: Bookcrossing wurde von dem Amerikaner Ron Hornbaker erfunden. Er hatte im Jahr 2001 die Idee, Bücher „in die Freiheit zu entlassen“ und so einen freien Buchclub zu gründen. Bookcrossing ist inzwischen eine weltweite Bewegung zur kostenlosen Weitergabe von Büchern an bekannte, in der Regel aber an unbekannte Personen.

Bischofsbevollmächtiger Gothart Magaard, CJK-Leiter Friedemann Magaard und ERW-Leiter Christoph von Stritzky freuen sich über das „A“.
Bischofsbevollmächtiger Gothart Magaard, CJK-Leiter Friedemann Magaard und ERW-Leiter Christoph von Stritzky freuen sich über das „A“.


Brahms und "die letzen Dinge"
Seminar mit Prof. G.A.Albrecht


Professor Georg Alexander Albrecht spricht über "Endlichkeit und Ewigkeit im Werk von Johannes Brahms".

Die geistlichen Werke von Johannes Brahms stecken voller Ahnung und Hoffnung. Die Motetten, die Orgelchoräle, das „Deutsche Requiem“ und nicht zuletzt die „Vier ernsten Gesänge“ deuten das Leben, das Sterben und die Hoffnung in inniger und zugleich spröder norddeutscher Weise.

Professor George Alexander Albrecht dirigierte drei Jahrzehnte lang in Hannover, später in Weimar. Seine Sichtweise in das Brahms'sche Werk verändert den Blick auf die Musik und auf das Leben. Albrecht referiert höchst fachkompetent und persönlich engagiert in dem Seminar „Endlichkeit und Ewigkeit“ am 6.-8. Januar, das in Kooperation mit der Brahmsgesellschaft Schleswig-Holstein stattfindet.

Eine ganz andere Sprache für das Letzte und das Ewige fand der mittelalterliche Mystiker Meister. Denn das Ewige bildet sich schon im Jetzt ab. Friedemann Magaard führt in die zentralen Texte Eckarts ein. Informationen und Anmeldungen unter 04671-91120.


Engagierte Friedensdiskussion


Dr. Marianne Subklew (ehemals Arbeitsstelle "Gewalt überwinden", re.) und der Journalist Knuth Peters (Schleswig-Holsteinischer Regierungssprecher, li.) diskutieren engagiert. In der Mitte: Gesprächsleiter Friedemann Magaard, CJK; Foto: Inke Raabe

„Nichts ist gut in Afghanistan“, diese Worte Margot Käßmanns hatten für viel Irritation gesorgt und deutlich gemacht, welche Brisanz das Thema in der Öffentlichkeit, vor allem aber bei den deutschen Soldaten hat, die zu Tausenden jährlich am Hindu-Kusch ihren Dienst tun, hat. Um die Aufarbeitung mancher Verletzungen, aber auch um evangelische Deutlichkeit, um politische und friedensethische Fragen ging es darum beim jüngsten Demokratie-Kolleg in Breklum. „Was ist gut in Afghanistan?“ – die provokante Behauptung der ehemaligen Bischöfin wich damit einer offenen Frage, über die kontrovers diskutiert wurde.

Für Knut Petersen, CDU, Sprecher der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung und ehemaliger ziviler Medienberater im Nato-Hauptquartier in Kabul, war die Fragestellung eine Steilvorlage: Acht Millionen Kinder besuchen jetzt Schulen in Afghanistan, zu Zeiten der Taliban waren es nur 1,3 Millionen gewesen. Das Straßennetz sei von knapp 60 auf über 5000 angewachsen, 70 Fernseh- und 170 Radioprogramme sorgten für Medienvielfalt und Information, viele Provinzen seien inzwischen frei vom Opiumanbau, im afghanischen Parlament säßen heute etwa 70 Frauen, zu Zeiten der Taliban waren sie vom politischen Leben ausgeschlossen. Das waren zunächst beeindruckende Zahlen, die aber den Kern des Problems nicht erreichten. Das machte die Theologin und Politologin Dr. Marianne Subklew deutlich, die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur ist und vordem Projektleiterin der Arbeitsstelle „Gewalt überwinden“ der Nordelbischen Kirche war.„Warum ist denn die Akzeptanz der ISAF so schlecht, wenn denn alles so gut ist?“, fragte sie. All diese Fortschritte führten nicht zu einer Demokratisierung der afghanischen Gesellschaft. Das Gegenteil sei der Fall, die Taliban hätten großen Zulauf.„ Es geht darum die Menschen in Afghanistan mitzunehmen“, sagte die Theologin und machte deutlich, dass mit militärischen Mitteln der islamisch inspirierte Terrorismus nicht eingedämmt werden könne.

Spannend war, dass die beiden Podiumsgäste wirklich unterschiedliche Positionen vertraten und bis zuletzt kontrovers aber sachlich diskutierten. Der Regierungssprecher hielt glaubhaft die Position, dass der Bundeswehreinsatz für Sicherheit und Fortschritt in Afghanistan und damit letztlich für die Menschen, die dort leben, unverzichtbar sei, Marianne Subklew forderte dagegen mehr zivile Entwicklungshilfe und einen entschiedenen Vorrang der zivilen Konfliktbewältigung. Sie war es auch, die die Frage ins Spiel brachte, die doch zuallerst hätte entschieden sein sollen: „Was wollen wir eigentlich in Afghanistan?“ Das Ziel des Einsatzes, so Subklew, müsste zuerst geklärt werden, bevor man sich an die Ausgestaltung des Auftrages mache.

30 Interessierte waren nach Breklum gekommen und diskutierten im Anschluss kundig und engagiert mit den Fachleuten. In einer dialogischen Begegnung hatten Menschen aus den Kontexten der Bundeswehr und der Kirche einen Eingangsimpuls vorbereitet. Das Breklumer Demokratie-Kolleg ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Nordelbischen Missionszentrums (NMZ), des Evangelischen Regionalzentrums Westküste (ERW) und des Christian Jensen Kollegs (CJK).

TEXT: Inke Raabe


Um den eigenen Glaubensweg zu finden
" Breklumer Gezeiten"-Reihe mit Jutta Jessen-Thiesen


Jutta Jessen-Thiesen zeigt den CJK-Mitarbeiterinnen Hannelore Lorenzen und Frauke Look (von li.) das neue Programmheft der Breklumer Gezeiten

Jutta Jessen Thiesen arbeitet als Referentin für ökumenische Spiritualität des Nordelbischen Missionszentrums (NMZ) in Breklum. Am 2. September wird sie nun um 14.30 Uhr in der Breklumer Kirche feierlich in ihr Amt eingeführt. Die Pastorin war zuvor in der Kirchengemeinde Tellingstedt, als Leiterin des Regionalzentrums im Kirchenkreis Rendsburg -Eckernförde und als Referentin für Frauenarbeit im Evangelischen Regionalzentrum Westküste tätig. Mit ihrer Familie lebt sie in Husum.

Die Veranstaltungsreihe „Breklumer Gezeiten“, von ihrer Vorgängerin Jutta Weiß entwickelt, führt Jutta Jessen-Thiesen fort. Und belebt damit eine Arbeit, die unmittelbar zum Profil Breklums und des Christian Jensen Kolleg gehört. Soeben ist das Programmheft 2001/2012 Monate erschienen.

Jutta Jessen-Thiesen wird befragt vom CJK-Leiter Friedemann Magaard:

Was ist das besondere an den Breklumer Gezeiten?
Sie sind wie Kurzurlaub für die Seele. Wer an den Breklumer Gezeiten teilnimmt, schenkt sich Zeit, um den Rhythmus des eigenen Lebens vertieft zu erfahren im Spiegel des immerwährenden Zyklus der christlichen Feste und Traditionen. Wir bieten Aus-Zeiten an, um aus dem Alltagstrott auszubrechen und etwas Neues, Wertvolles zu finden.

Wer ist „wir“?
Diese Auszeiten führen wir stets zu zweit durch: ich arbeite mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die ihre Erfahrungen und Schwerpunkte einbringen. Die Tanztherapeutin Martina Abend etwa prägt die Auszeit am Erntedank. „Die Fülle des Lebens genießen“ werden wir wörtlich nehmen und unsere Lebendigkeit erleben auch in Bewegung und Tanz.

Wie verstehst Du Deine Aufgabe bei diesen Angeboten?
Ich möchte Menschen Erfahrungen ermöglichen, ich leite an zu einem behutsamen, achtsamen Umgang mit sich selbst. So gesehen bin ich An-Leiterin. Und wenn ein möglicher Weg sich aufzeigt, will ich gern ein Stück mitgehen.

Dann bist Du keine Lehrerin, die eine bestimmte „Schule“ geistlichen Lebens unterrichtet?
Es gibt nicht den einen richten Weg für alle. Jeder Mensch muss den eigenen geistlichen Weg finden. Ich möchte Menschen bestärken, sich auf die Suche zu begeben, sich aufzumachen, den eigenen Weg zu suchen. Unser Angebot im November trägt genau diesen Titel: „Den eigenen Weg finden.“

Ein Angebot auch für Suchende?
Genau! Suchende und Fragende sind natürlich herzlich willkommen. Alle, die sich nach Vertiefung und Unterstützung des eigenen Glaubens sehnen, egal wo und wie tief ihre eigenen Wurzeln darin sind. Die Breklumer Gezeiten bewegen sich dabei eindeutig im Kontext der christlich geprägten Spiritualität.

Was bedeutet für dich das Ökumenische als Referentin für ökumenische Spiritualität?
Der weite Blick auf andere Kulturen und Religionen bereichert die Spiritualität. Sie lernt von den Erfahrungen und Traditionen anderer Kulturen: die Stille und Achtsamkeit aus asiatischer und klösterlicher Tradition, das geistliche Wachsen aus der orthodoxen, ebenso wie den Zugang, Bilder als Hilfe zur Anbetung zu verstehen. Die auf Vernunft gegründete evangelische Tradition kann da viel gewinnen. Für mich ist diese geistliche Ausrichtung also interkonfessionell und teilweise auch interreligiös geprägt.

Die nächsten Veranstaltungen der „Breklumer Gezeiten“:

  • „Die Fülle des Lebens genießen – Auszeit am Erntedank mit Bewegung und Tanz“, 30.09.-03.10., mit Martina Abend (Tanztherapeutin) und Jutta Jessen-Thiesen
  • „Den eigenen Weg finden – Zugänge zu einer persönlichen Spiritualität“, 11.11.-13.11., mit Frank Puckelwald (Nordelbischer Gemeindedienst) und Jutta Jessen-Thiesen

Weitere Informationen unter www.nmz-mission.de/BreklumerGezeiten/ oder telefonisch unter 04671-9112-14


MQF-Kurse neu ausgeschrieben

Jetzt anmelden für das Führungs- und Leitungstraining

17 Kurse „Mitarbeitende qualifiziert führen (MQF)“ mit über 150 TeilnehmerInnen wurden bereits erfolgreich durchgeführt, demnächst enden die Kurse 18 und 19, nun liegen die Flyer für die beiden Anfang 2012 beginnenden Kurse vor.

„Mitarbeitende qualifiziert führen“ ist ein Führungs- und Leitungstraining „on the job“. Leitende Mitarbeitende in Kindertagesstätten, Diensten und Werken, PastorInnen, Verwaltungs- und Diakonie-Mitarbeitende werden im Christian Jensen Kolleg, Breklum, und im Haus am Schüberg, Ammersbek, in ihrer Leitungskompetenz intensiv gefördert. Interprofessionelle Lerngruppen sind Teil der Methodik von „MQF“, die als Ziel „eine Kultur der Annahme und Wertschätzung“ hat.

Die Anmeldungsphase für die Kurse 20 und 21 läuft bis zum 18. November 2011. Informationen über Inhalte, Methoden , Teilnahmebeiträge und die TrainerInnen finden Sie im Flyer (LINK) oder erfragen Sie bei den Trainern Isa Lübbers und Jürgen Barth (Hamburg) sowie Christoph von Stritzky und Friedemann Magaard (Breklum) .

Flyer MQF XX und XXI »




Das CHRISTIAN JENSEN KOLLEG ist die ökumenische Tagungs- und Bildungsstätte der Nordelbischen Kirche im Herzen Nordfrieslands. Sie ist ein Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Lebensbereichen, Berufen und Ländern miteinander ins Gespräch kommen.
Neben dem vielfältigen Bildungsprogramm bietet das Haus alle erdenklichen hauswirtschaftlichen und technischen Dienstleistungen an, die eine erfolgreiche Seminararbeit garantieren.

Auch Gruppen und Einzelpersonen, die einfach nur entspannen wollen, finden hier den passenden Ort dafür.

Die Nordsee ist nur 15 Autominuten entfernt. Ein besonderes Vergnügen sind das Fahrradfahren und Wandern unter dem weiten Himmel Nordfrieslands. Wer ein wenig mehr Zeit mitbringt, dem erschließt sich diese einmalige Natur auf Halligfahrten und geführten Wattwanderungen. Freunde der bildenden Kunst können die Kunstausstellungen im Richard-Haizmann-Museum in Niebüll und das Noldemuseum in Seebüll besuchen. Auch Husum ist immer eine Reise wert.


„Christian Jensen Kolleg“ ab sofort zertifiziertes Bildungszentrum für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Im Kontext der UN Dekade für Bildung für nachhaltige Entwicklung übergibt Minister von Boetticher BNE-Zertifikate an die kirchlichen Bildungs- und Tagungszentren.

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