Wie die Jungfrau zum Kind – Wort zum Vierten Advent

Er wusste gar nicht, wie ihm geschah. Sein Nachbarn, fünfzig Meter weiter, kannte er kaum. Nun sind sie zusammen gerückt. Gemeinsam betreuen sie eine afghanische Familie. Eine Patengemeinschaft. Das hätte ich nie gedacht, sagt er verwundert. Ich kam zu zwei neuen Nachbarn wie die Jungfrau zum Kind.

Am Vierten Advent wird in den meisten Kirchen zu hören sein, wie die Jungfrau zum Kind kam, damals, in Nazareth. Vom Engel Gabriel wird erzählt und wie er Maria besuchte. Vom Schrecken, der die junge Frau überfiel. Und vom „Fürchte dich nicht!“ Wie soll das gehen? Wo soll da ein Sinn sein? Alles wehrt sich in Maria. Doch der Engel nimmt die Angst. Fürchte dich nicht. Gott meint es gut mit dir. Hab keine Angst. Gott hat Großes vor mit dir. Erst hält sie es für Unsinn. Kann doch gar nicht. Später stimmt sie zu. Und dann kommt die Jungfrau zum Kind. Durch Gottes Kraft wächst in ihr das Heilige. Ein Wunder. Bei Gott, so steht dort, ist kein Ding unmöglich.

Was der Flüchtlingspate erlebt, ist bei weitem nicht so spektakulär. Später werden darüber keine Generationen rätseln und staunen. Im Kleinen ist ihm aber Ähnliches passiert. Die Not der Flüchtlingsfamilie hat den Mann angerührt. Deren Ängste hat er wirklich verstanden, und dass sie alles zurückließen, um das eigene Leben zu retten. Später lag er selbst manchmal wach in der Nacht. Wann bekommt er einen Zahnarzttermin für die Kleine, und wer geht mit, wenn gebohrt werden muss? Wo findet er einen Praktikumsplatz für den Vater? Und dann die Absprachen mit dem Wunderlichen von nebenan. Aber es klappt ganz gut, viel besser als gedacht. Letztens saßen sie alle zusammen, bei Tee und Plätzchen. Wie eine Großfamilie. Das fühlte sich richtig gut an. Er war dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Keine Vorbereitung. Keine Vorwarnung. Zack, und es war da. Bei Gott, so heißt es, ist kein Ding unmöglich.
Friedemann Magaard, theologischer Leiter des Christian Jensen Kolleg in Breklum

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